Mons | Niki de Saint Phalle

ICI, TOUT EST POSSIBLE

Das Museum der Schönen Künste Mons (BAM) zeigt bis zum 13. Januar 2019 eine fulminante Ausstellung zu Niki de Saint-Phalle.  Unter dem Motto „ICI, TOUT EST POSSIBLE“ ist dies die erste große Ausstellung über die Künstlerin in Belgien.

Niki de Saint-Phalle gilt als eine der bedeutendsten weiblichen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung ermöglicht einen interessanten, abwechslungsreichen und inspirierenden Einblick in die Welt der Niki de Saint Phalle, der weit tiefer blicken lässt als nur auf die bunten, scheinbar fröhlichen Nanas.

Niki de Saint-Phalle

Die 18-jährige Niki de Saint Phalle begann 1948 eine Karriere als Model, 1949 heiratete sie auf Drängen der Mutter ihren Freund Harry Mathews (1930–2017). 1950 malte Niki Mathews erste Ölbilder und Gouachen. Auch nach der Geburt der Tochter Laura arbeitete Niki weiterhin als Fotomodel für internationale Magazine, u. a. das  „Life Magazin“ und „Vogue“.

Die Metamorphose vom Modell und braven Ehefrau zur feministischen Künstlerin begann 1953 mit einem Nervenzusammenbruch, von dem sie sich in der psychiatrischen Klinik in Nizza erholte. In der Therapie begann Niki wieder zu malen und fasste den Entschluss Künstlerin zu werden.

Im September 1954 zog sie mit ihrer Familie nach Deyà, Mallorca, wo sie ihr Sohn Philip geboren wurde. Sie studierte die Werke Antonie Gaudís und besuchte den berühmten, von Gaudí gestalteten Park Güell in Barcelona, der sie inspirierte eigene Skulpturengärten zu entwerfen und verschiedene Materialien und gefundene Objekte in ihrer Kunst einzusetzen.

Nach ihrer Rückkehr nach Paris 1955 traf Niki Mathews den Schweizer Bildhauer Jean Tinguely (1925–1991) und dessen Frau Eva Aeppli. Tinguely war mit maschinenartigen, beweglichen Skulpturen bekannt geworden.

Niki de Saint Phalle trennte sich 1960 von ihrem Ehemann Harry Mathews, die gemeinsamen Kinder blieben beim Vater. Im Februar war ihr Werk „Portrait of my Lover“ in der wichtigen Gruppenausstellung „Comparaisons: Peinture. Sculpture“ im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris zu sehen. Sie ließ das Publikum mit Pfeilen auf die Schießscheibe schießen, die sie anstelle des Kopfes im Porträt montiert hatte. Angesichts eines weißen Werkes hatte sie die Vision von einem „blutenden Bild“, das sie in der Folge als „Schießbild“ umsetzte.

Schießbilder

Im Februar 1961 fand im Hinterhof ihres Pariser Ateliers die erste von zwölf Schießaktionen statt:  Künstlerfreunde schossen auf weiße Gipsreliefs, in die mit Farbe gefüllte Blasen eingearbeitet waren. Zunächst ließ sie Freunde und auch Jean Tinguley auf ihre Bilder schießen, um die Farbe wie eine offene Wunde auf die Oberfläche des Bildes rinnen zu lassen. Bald schoss Niki de Saint Phalle selbst auf ihre Bilder, was als künstlerische Auseinandersetzung mit der männerdominierenden Gesellschaft verstanden werden kann, aber auch als bewusste Gewaltausübung.

Niki de Saint Phalle beteiligte sich 1961 mit ihren „Schießaktionen“ an den Ausstellungen der Nouveaux Réalistes in Paris und Nizza und wurde Mitglied der Künstlergruppe, zu der unter anderem  Jean Tinguely, Yves Klein, Arman, Christo und Martial Raysse zählten.

Assemblagen

Mit der Zeit wurden ihre Assemblagen immer größer und aufwendiger: Haushaltsartikel wie Siebe, Puppen oder Modelle von Flugzeugen wurden in ihren Bildern zu dreidimensionalen Collagen verarbeiten. Fantasievolle Monster thematisierten ihre problematische Beziehung zu ihrem dominanten Vater, der sie als Kind mißbraucht hatte.

Nanas

Nachdem Niki de Saint Phalle und Jean Tingely 1963 in die Auberge du Cheval Blanc in der Nähe von Paris gezogen waren, entstanden zahlreiche Skulpturen (u. a. die Gebärdende, verschlingende Mütter, Hexen, Huren und Bräute), die sich mit der Rolle der Frau in der europäischen Nachkriegsgesellschaft auseinandersetzten. Die Rolle der Frau war fortan das zentrale Thema in Niki de Saint Phalles Œuvre.

Durch die Schwangerschaft ihrer Bekannten Clarice Rivers inspiriert, entwickelte Niki de Saint Phalle 1965 kleine Frauenfiguren aus Stoffresten, Wolle und Draht, die einen betont rundlichen und üppigen Körper hatten und im Verhältnis dazu einen recht kleinen Kopf. Sie nannte diese Figuren „Nana“ (franz. Dame oder Huhn). 1964 wurden ihre Nanas erstmals in Paris gezeigt und machten die Künstlerin einem noch breiterem Publikum bekannt.

Mit ihrer rundlichen Form als Symbol für weibliche Fruchtbarkeit und Sexualität, fröhlichen Farben und einem unkonventionellen Materialmix erinnern die Nanas an mythische Urmütter in steinzeitlichen Figurinen. Für Niki de Saint Phalle sollten sie Vorbotinnen eines neuen matriarchalen Zeitalters sein.

Ausstellung

Die Ausstellung in Mons zeigt – souverän und unaufdringlich inszeniert – das gesamte künstlerische Schaffen Niki de Saint Phalles, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu oft auf die scheinbar fröhlichen Nanas reduziert wird. Ihre künstlerische Bedeutung als engagierte Feministin erschliesst sich aufgrund ihrer Biografie und anhand ihrer ausdrucksstarken Kunstwerke in den verschiedenen Gattungen.

Biografie

Niki de Saint Phalle (bürg. Name: Catherine Marie-Agnès Fal de Saint-Phalle)

* 1930 (Neuilly-sur-Seine, Frankreich), + 2002 (San Diego, Kalifornien)

>>> Art inWords

Praktische Infos

BAM

Rue Neuve 8, 7000 Mons, Belgien

T. +32 65 40 53 25

Niki de Saint-Phalle“ – bis Sonntag, 13. Januar 2019

Eintritt: 9  Euro | Reduziert: 6 Euro

jeden ersten Sonntag im Monat freier Eintritt

www.bam.mons.be

Dank

Herzlichen Dank an Belgien Tourismus Wallonie, die eine  Recherchereise nach Mons zur Ausstellung „ICI, TOUS EST POSSIBLE“ ermöglichten. MERCI

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