Crash – Bumm Peng | Comics in Belgien II

Musée Hergé – Die Abenteuer von Tim & Struppi
90 Jahre Tim und 10 Jahre Musée Hergé

Zu den bekanntesten Comicfiguren Europas gehören „Tim & Struppi“ des belgischen Zeichners Hergé. Der Künstlername entstand, als der 1907 in Brüssel geborene Georges Remi 1907 seine Initialen in RG umdrehte, im Französischen eben „Hergé“ ausgesprochen.

1929 erfand er seinen Reporter „Tintin“ (im Deutschen als „Tim“ bekannt), zu der Zeit waren Comics in Europa im Gegensatz zu den USA noch wenig populär. Die Comics der Tim & Struppi-Reihe sind in erster Linie Abenteuer- und Detektivgeschichten, enthalten aber auch Fantasy- und Science-Fiction-Elemente. Die Fälle haben oft etwas Mysteriöses an sich und spielen zum Teil vor historischem Hintergrund. Oft spielt die Handlung in entlegenen Regionen der Welt, zum Beispiel im Himalaya oder im Kongo.

Die Abenteuergeschichten um „Tim und Struppi“ führten seine Helden um die ganze Welt – und damit auch die meist jugendlichen Leser.  Auch wenn der zeitlos juvenile Star „Tim“ inzwischen seinen 90. Geburtstag feierte, haben die Geschichten nichts von ihrem Reiz verloren.

In Zeiten von Globalisierung und grenzenloser Mobilität kann man die Begeisterung für die exotischen Abenteuer vielleicht nicht mehr nachvollziehen, zu ihrer Entstehungszeit aber brachten die bunten Bildergeschichten die Welt und das Wissen über fremde Kulturen in die Kinderzimmer. So nahm beispielsweise Hergé 1950 mit der Mondreise von Tim, Struppi, Kapitän Haddock und Professor Bienlein mit seinen verblüffend genauen Darstellungen dieses Unternehmens die echte Apollo-Mission von 1969 vorweg. Es gab aber auch Kritik an Hergé, vor allem bezüglich seiner Hatung zum belgischen Kolonialismus (Stichwort: Kongo) und zum Nationalsozialismus.

Hergé gilt als Erschaffer des Comicstils der Ligne claire: geprägt von klaren Konturen, kommen seine Zeichnungen ohne Schraffuren oder Schattierungen aus. „Die Kolorierung folgt dem und arbeitet ohne Farbverläufe mit einfarbigen Flächen. Besonderes Merkmal ist zudem das Abstraktionsgefälle innerhalb der Zeichnungen: Während die Figuren, besonders die Mimik, stark vereinfacht werden, bemühte Hergé sich gerade ab der Mitte der 1930er Jahre um detailgetreue und realistische Darstellung der Hintergründe und der Requisite.“ (Quelle: wikipedia)

Musée Hergé

Im 2009 von dem französischen Architekten Christian de Portzamparc erbauten „Musée Hergé“ in Louvain-la-Neuve nahe Brüssel kann man die vielschichtige Hergés Kunst anhand zahlreicher Originalzeichnungen und -skizzen, Objekte und Dokumente in lockerer Atmosphäre entdecken.

 

 

Musée Hergé
Rue du Labrador, 26
B-1348 Louvain-la-Neuve
Tél : +32 10 488 421
>>> Öffnungszeiten, Eintritt etc.
www.museeherge.com/en

Tipp: Freier Eintritt an jedem ersten Sonntag im Monat!

 

Dank

Herzlichen Dank an Belgien Tourismus Wallonie, die eine  Recherche-Reise nach Louvain-la-Neuve ermöglichten. MERCI

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Crash – Bumm – Peng | Comics in Belgien I

Didier Comés – L’Encrage ardennais
Ausstellung in der Abtei Stavelot, bis 5. Januar 2020

 

Bastard zweier Kulturen

Degraa-Bär | Tell all the girls that I’m back in town

Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Der Degraa-Bär ist zurück! Mitte Juni wurde die alte Werbefigur der Degraa-Brauerei – aufgepeppt in neuer Form – wieder auf dem Dach des Brauhaus Aachen am Theater installiert.

WERBUNG

Da das Brauhaus als Gastronomiebetrieb, die Degraa-Brauerei und der Metallbaubetrieb Zeller genannt bzw. erkennbar sind, ist das wohl Werbung – auch wenn es kein Geld für den Artikel gab.

Mons | Niki de Saint Phalle

ICI, TOUT EST POSSIBLE

Das Museum der Schönen Künste Mons (BAM) zeigt bis zum 13. Januar 2019 eine fulminante Ausstellung zu Niki de Saint-Phalle.  Unter dem Motto „ICI, TOUT EST POSSIBLE“ ist dies die erste große Ausstellung über die Künstlerin in Belgien.

Niki de Saint-Phalle gilt als eine der bedeutendsten weiblichen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung ermöglicht einen interessanten, abwechslungsreichen und inspirierenden Einblick in die Welt der Niki de Saint Phalle, der weit tiefer blicken lässt als nur auf die bunten, scheinbar fröhlichen Nanas.

Niki de Saint-Phalle

Die 18-jährige Niki de Saint Phalle begann 1948 eine Karriere als Model, 1949 heiratete sie auf Drängen der Mutter ihren Freund Harry Mathews (1930–2017). 1950 malte Niki Mathews erste Ölbilder und Gouachen. Auch nach der Geburt der Tochter Laura arbeitete Niki weiterhin als Fotomodel für internationale Magazine, u. a. das  „Life Magazin“ und „Vogue“.

Die Metamorphose vom Modell und braven Ehefrau zur feministischen Künstlerin begann 1953 mit einem Nervenzusammenbruch, von dem sie sich in der psychiatrischen Klinik in Nizza erholte. In der Therapie begann Niki wieder zu malen und fasste den Entschluss Künstlerin zu werden.

Im September 1954 zog sie mit ihrer Familie nach Deyà, Mallorca, wo sie ihr Sohn Philip geboren wurde. Sie studierte die Werke Antonie Gaudís und besuchte den berühmten, von Gaudí gestalteten Park Güell in Barcelona, der sie inspirierte eigene Skulpturengärten zu entwerfen und verschiedene Materialien und gefundene Objekte in ihrer Kunst einzusetzen.

Nach ihrer Rückkehr nach Paris 1955 traf Niki Mathews den Schweizer Bildhauer Jean Tinguely (1925–1991) und dessen Frau Eva Aeppli. Tinguely war mit maschinenartigen, beweglichen Skulpturen bekannt geworden.

Niki de Saint Phalle trennte sich 1960 von ihrem Ehemann Harry Mathews, die gemeinsamen Kinder blieben beim Vater. Im Februar war ihr Werk „Portrait of my Lover“ in der wichtigen Gruppenausstellung „Comparaisons: Peinture. Sculpture“ im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris zu sehen. Sie ließ das Publikum mit Pfeilen auf die Schießscheibe schießen, die sie anstelle des Kopfes im Porträt montiert hatte. Angesichts eines weißen Werkes hatte sie die Vision von einem „blutenden Bild“, das sie in der Folge als „Schießbild“ umsetzte.

Schießbilder

Im Februar 1961 fand im Hinterhof ihres Pariser Ateliers die erste von zwölf Schießaktionen statt:  Künstlerfreunde schossen auf weiße Gipsreliefs, in die mit Farbe gefüllte Blasen eingearbeitet waren. Zunächst ließ sie Freunde und auch Jean Tinguley auf ihre Bilder schießen, um die Farbe wie eine offene Wunde auf die Oberfläche des Bildes rinnen zu lassen. Bald schoss Niki de Saint Phalle selbst auf ihre Bilder, was als künstlerische Auseinandersetzung mit der männerdominierenden Gesellschaft verstanden werden kann, aber auch als bewusste Gewaltausübung.

Niki de Saint Phalle beteiligte sich 1961 mit ihren „Schießaktionen“ an den Ausstellungen der Nouveaux Réalistes in Paris und Nizza und wurde Mitglied der Künstlergruppe, zu der unter anderem  Jean Tinguely, Yves Klein, Arman, Christo und Martial Raysse zählten.

Assemblagen

Mit der Zeit wurden ihre Assemblagen immer größer und aufwendiger: Haushaltsartikel wie Siebe, Puppen oder Modelle von Flugzeugen wurden in ihren Bildern zu dreidimensionalen Collagen verarbeiten. Fantasievolle Monster thematisierten ihre problematische Beziehung zu ihrem dominanten Vater, der sie als Kind mißbraucht hatte.

Nanas

Nachdem Niki de Saint Phalle und Jean Tingely 1963 in die Auberge du Cheval Blanc in der Nähe von Paris gezogen waren, entstanden zahlreiche Skulpturen (u. a. die Gebärdende, verschlingende Mütter, Hexen, Huren und Bräute), die sich mit der Rolle der Frau in der europäischen Nachkriegsgesellschaft auseinandersetzten. Die Rolle der Frau war fortan das zentrale Thema in Niki de Saint Phalles Œuvre.

Durch die Schwangerschaft ihrer Bekannten Clarice Rivers inspiriert, entwickelte Niki de Saint Phalle 1965 kleine Frauenfiguren aus Stoffresten, Wolle und Draht, die einen betont rundlichen und üppigen Körper hatten und im Verhältnis dazu einen recht kleinen Kopf. Sie nannte diese Figuren „Nana“ (franz. Dame oder Huhn). 1964 wurden ihre Nanas erstmals in Paris gezeigt und machten die Künstlerin einem noch breiterem Publikum bekannt.

Mit ihrer rundlichen Form als Symbol für weibliche Fruchtbarkeit und Sexualität, fröhlichen Farben und einem unkonventionellen Materialmix erinnern die Nanas an mythische Urmütter in steinzeitlichen Figurinen. Für Niki de Saint Phalle sollten sie Vorbotinnen eines neuen matriarchalen Zeitalters sein.

Ausstellung

Die Ausstellung in Mons zeigt – souverän und unaufdringlich inszeniert – das gesamte künstlerische Schaffen Niki de Saint Phalles, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu oft auf die scheinbar fröhlichen Nanas reduziert wird. Ihre künstlerische Bedeutung als engagierte Feministin erschliesst sich aufgrund ihrer Biografie und anhand ihrer ausdrucksstarken Kunstwerke in den verschiedenen Gattungen.

Biografie

Niki de Saint Phalle (bürg. Name: Catherine Marie-Agnès Fal de Saint-Phalle)

* 1930 (Neuilly-sur-Seine, Frankreich), + 2002 (San Diego, Kalifornien)

>>> Art inWords

Praktische Infos

BAM

Rue Neuve 8, 7000 Mons, Belgien

T. +32 65 40 53 25

Niki de Saint-Phalle“ – bis Sonntag, 13. Januar 2019

Eintritt: 9  Euro | Reduziert: 6 Euro

jeden ersten Sonntag im Monat freier Eintritt

www.bam.mons.be

Dank

Herzlichen Dank an Belgien Tourismus Wallonie, die eine  Recherchereise nach Mons zur Ausstellung „ICI, TOUS EST POSSIBLE“ ermöglichten. MERCI