Bilder des Alltag #15 | High Tech

Bilder des Alltag #15 | High Tech

Man hört doch immer wieder von diesen „Erlkönigen“,  den getarnten Protoypen von High Tech-Autos.

Ich glaube ja bei dem Teil in unserem Flur handelt es sich auch um einen solchen „Erlkönig“ … also eigentlich um einen „Erlbesen“ …

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Mons | Niki de Saint Phalle

ICI, TOUT EST POSSIBLE

Das Museum der Schönen Künste Mons (BAM) zeigt bis zum 13. Januar 2019 eine fulminante Ausstellung zu Niki de Saint-Phalle.  Unter dem Motto „ICI, TOUT EST POSSIBLE“ ist dies die erste große Ausstellung über die Künstlerin in Belgien.

Niki de Saint-Phalle gilt als eine der bedeutendsten weiblichen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung ermöglicht einen interessanten, abwechslungsreichen und inspirierenden Einblick in die Welt der Niki de Saint Phalle, der weit tiefer blicken lässt als nur auf die bunten, scheinbar fröhlichen Nanas.

Niki de Saint-Phalle

Die 18-jährige Niki de Saint Phalle begann 1948 eine Karriere als Model, 1949 heiratete sie auf Drängen der Mutter ihren Freund Harry Mathews (1930–2017). 1950 malte Niki Mathews erste Ölbilder und Gouachen. Auch nach der Geburt der Tochter Laura arbeitete Niki weiterhin als Fotomodel für internationale Magazine, u. a. das  „Life Magazin“ und „Vogue“.

Die Metamorphose vom Modell und braven Ehefrau zur feministischen Künstlerin begann 1953 mit einem Nervenzusammenbruch, von dem sie sich in der psychiatrischen Klinik in Nizza erholte. In der Therapie begann Niki wieder zu malen und fasste den Entschluss Künstlerin zu werden.

Im September 1954 zog sie mit ihrer Familie nach Deyà, Mallorca, wo sie ihr Sohn Philip geboren wurde. Sie studierte die Werke Antonie Gaudís und besuchte den berühmten, von Gaudí gestalteten Park Güell in Barcelona, der sie inspirierte eigene Skulpturengärten zu entwerfen und verschiedene Materialien und gefundene Objekte in ihrer Kunst einzusetzen.

Nach ihrer Rückkehr nach Paris 1955 traf Niki Mathews den Schweizer Bildhauer Jean Tinguely (1925–1991) und dessen Frau Eva Aeppli. Tinguely war mit maschinenartigen, beweglichen Skulpturen bekannt geworden.

Niki de Saint Phalle trennte sich 1960 von ihrem Ehemann Harry Mathews, die gemeinsamen Kinder blieben beim Vater. Im Februar war ihr Werk „Portrait of my Lover“ in der wichtigen Gruppenausstellung „Comparaisons: Peinture. Sculpture“ im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris zu sehen. Sie ließ das Publikum mit Pfeilen auf die Schießscheibe schießen, die sie anstelle des Kopfes im Porträt montiert hatte. Angesichts eines weißen Werkes hatte sie die Vision von einem „blutenden Bild“, das sie in der Folge als „Schießbild“ umsetzte.

Schießbilder

Im Februar 1961 fand im Hinterhof ihres Pariser Ateliers die erste von zwölf Schießaktionen statt:  Künstlerfreunde schossen auf weiße Gipsreliefs, in die mit Farbe gefüllte Blasen eingearbeitet waren. Zunächst ließ sie Freunde und auch Jean Tinguley auf ihre Bilder schießen, um die Farbe wie eine offene Wunde auf die Oberfläche des Bildes rinnen zu lassen. Bald schoss Niki de Saint Phalle selbst auf ihre Bilder, was als künstlerische Auseinandersetzung mit der männerdominierenden Gesellschaft verstanden werden kann, aber auch als bewusste Gewaltausübung.

Niki de Saint Phalle beteiligte sich 1961 mit ihren „Schießaktionen“ an den Ausstellungen der Nouveaux Réalistes in Paris und Nizza und wurde Mitglied der Künstlergruppe, zu der unter anderem  Jean Tinguely, Yves Klein, Arman, Christo und Martial Raysse zählten.

Assemblagen

Mit der Zeit wurden ihre Assemblagen immer größer und aufwendiger: Haushaltsartikel wie Siebe, Puppen oder Modelle von Flugzeugen wurden in ihren Bildern zu dreidimensionalen Collagen verarbeiten. Fantasievolle Monster thematisierten ihre problematische Beziehung zu ihrem dominanten Vater, der sie als Kind mißbraucht hatte.

Nanas

Nachdem Niki de Saint Phalle und Jean Tingely 1963 in die Auberge du Cheval Blanc in der Nähe von Paris gezogen waren, entstanden zahlreiche Skulpturen (u. a. die Gebärdende, verschlingende Mütter, Hexen, Huren und Bräute), die sich mit der Rolle der Frau in der europäischen Nachkriegsgesellschaft auseinandersetzten. Die Rolle der Frau war fortan das zentrale Thema in Niki de Saint Phalles Œuvre.

Durch die Schwangerschaft ihrer Bekannten Clarice Rivers inspiriert, entwickelte Niki de Saint Phalle 1965 kleine Frauenfiguren aus Stoffresten, Wolle und Draht, die einen betont rundlichen und üppigen Körper hatten und im Verhältnis dazu einen recht kleinen Kopf. Sie nannte diese Figuren „Nana“ (franz. Dame oder Huhn). 1964 wurden ihre Nanas erstmals in Paris gezeigt und machten die Künstlerin einem noch breiterem Publikum bekannt.

Mit ihrer rundlichen Form als Symbol für weibliche Fruchtbarkeit und Sexualität, fröhlichen Farben und einem unkonventionellen Materialmix erinnern die Nanas an mythische Urmütter in steinzeitlichen Figurinen. Für Niki de Saint Phalle sollten sie Vorbotinnen eines neuen matriarchalen Zeitalters sein.

Ausstellung

Die Ausstellung in Mons zeigt – souverän und unaufdringlich inszeniert – das gesamte künstlerische Schaffen Niki de Saint Phalles, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu oft auf die scheinbar fröhlichen Nanas reduziert wird. Ihre künstlerische Bedeutung als engagierte Feministin erschliesst sich aufgrund ihrer Biografie und anhand ihrer ausdrucksstarken Kunstwerke in den verschiedenen Gattungen.

Biografie

Niki de Saint Phalle (bürg. Name: Catherine Marie-Agnès Fal de Saint-Phalle)

* 1930 (Neuilly-sur-Seine, Frankreich), + 2002 (San Diego, Kalifornien)

>>> Art inWords

Praktische Infos

BAM

Rue Neuve 8, 7000 Mons, Belgien

T. +32 65 40 53 25

Niki de Saint-Phalle“ – bis Sonntag, 13. Januar 2019

Eintritt: 9  Euro | Reduziert: 6 Euro

jeden ersten Sonntag im Monat freier Eintritt

www.bam.mons.be

Dank

Herzlichen Dank an Belgien Tourismus Wallonie, die eine  Recherchereise nach Mons zur Ausstellung „ICI, TOUS EST POSSIBLE“ ermöglichten. MERCI

Château Deulin | Zu Besuch bei Herr und Hund

Zu Besuch bei Herrn und Hund von Schloss Deulin

Das Château Deulin liegt nahe des beliebten Örtchens Durbuy in den belgischen Ardennen, gerade einmal 100 km von Aachen entfernt und lohnt einen Ausflug – vor allem zu den Veranstaltungen wie der Antiquitätenmesse im Herbst oder dem Christmasmarket im Dezember.

Château Deulin

 

 

 

 

 

Die Familie de Harlez unterhält das prächtige Anwesen und hat sich auf die Ausrichtung von Events in der umgebauten Scheune, aber auch familär-exklusive Veranstaltungen wie den Foodmarket im Sommer, die Autumn Fair im Oktober und den Christmas Market am ersten Dezember-Wochenende verlegt. Simon de Harlez de Deulin, der junge Schlossherr, hat sich bei seinem Antiquitätenhandel auf alte Kunst und Möbel aus Schweden spezialisiert. Sein Bruder betreibt das Bistro im Turm, wo regionale Spezialitäten (natürlich auch belgisches Spezialbier, aber auch ein hauseigener Wein) angeboten werden.

Simon de Harlez empfängt uns Ende August, als wir mit einer Gruppe deutscher und niederländischer Journalisten, Redakteure und Blogger die Wallonie unter dem Motto „Vintage, Brocante und Antiquitäten“ erkunden, schliesslich verfügt Belgien über eine tief verwurzelte Trödeltradition (*). Schon im Eingangsberich fallen die prächtigen Stuckverzierungen der Decke ins Auge, ein Flügel steht wie selbstverständlich in der Ecke, das Elfenbeintäfelchen einer Taste ist verloren und verleiht ihm so ein verletzliches Aussehen.

Der charismatische Schlossherr führt durch die mit antiken Möbeln, Teppichen, Gemälden und Kleinodien eingerichten Räume des Châteaus, er selbst hat sich mit seinem Antiquitätenhandel auf Antiquitäten aus Schweden verlegt, eine hoch interessante Nische, in der sein Expertenwissen gefragt ist.

Der Salon ist mit einer außergewöhnlichen chinesischen Papiertapete ausgestattet, weiße Blüten werden von farbigen Schmetterlingen und Libellen auf Goldgrund umringt. „Die Tapete haben meine Eltern ausgewählt“, erklärt Simon de Harlez und verweist auf die beiden fast lebensgroßen Porträtgemälde, die seine Vorfahren, die ursprünglichen besitzer des Anwesens, darstellen.

Im Esszimmer, das auch für Fine Dining-Events genutzt werden kann, steht ein Satz geschnitzter Stühle aus dem 18. Jahrhundert um den Tisch, sie sind im Aachen-Lütticher Rokoko-Stil gestaltet, eine Seltenheit, die auch nicht zum Verkauf angeboten wird, sondern zum festen Inventar des Schlosses gehört. Die mit „D.  Deneux“ signierten Wandgemälde schildern zeittypische Jagdmotive und sind von erlesener Qualität. Der aus Lüttich stammende Maler Jean Dieudonné Deneux (um 1749 – 1786) machte sich vor allem mit prächtigen Blumenbildern, aber auch solchen Jagdstillleben einen Namen.

Weiter geht es, entlang an des „Atelier Ebenisterie“, der Schreinerwerkstatt, in der Monsieur de Harlez senior Möbel aufarbeitet, in Richtung Orangerie und Lagerraum des Antiquitätenhandels. Auch wenn die verschiedenen Objekte hier nur zur Lagerung abgestellt sind, wirkt die Szenerie so dekorativ, als hätte ein Innenarchitket sie gerade inszeniert.

Nach der informativen Führung, bei der Simon de Harlez engagiert und kenntnisreich über die einzlnen Möbelstücke referiert, wird zum Lunch in der Brasserie im Turm eingeladen: Begleitet von einem „La Chouffe“ und dem Hauswein wird ein fein gewürztes Estragonhühnchen mit Kräuter-Kartoffelpüree und Ratatouille serviert. Als Dessert eine warme Obsttarte mit Vanilleis gereicht. So einfach, so gut … köstlich!

Der Schlosshund begleitet die Gruppe über den Hof, aufmerksam beobachtet er das Geschehen und platziert sich zum Abschluss des Rundgangs demonstrativ auf die Schwelle des Eingangstores, um sich gebührend als Schlossherr zu verabschieden.

 

Ausflugstipp: Autumn Fair auf Schloss Deulin – 6.-7. und 13.-14.10.2018

Stéphane und Dominique de Harlez de Deulin und ihre Antiquitäten-Freunde laden zur Herbstmesse in ihr schmuckes Schlösschen Deulin bei Durbuy (rund 100 km von Aachen entfernt) ein: An zwei Wochenenden werden im prächtigen Schloss Antiquitäten, Möbel, Textilien und Schmuck von ausgewählten Händlern aus Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden angeboten.

Die Familie de Harlez unterhält das Familienanwesen mit Schloss, Kapelle, Bistro im Turm und einer Scheune, die für Events wie Hochzeiten und Feiern gemietet werden kann. Schlossherr Simon de Harlez betreibt einen eigenen Antiquitätenhandel, bei dem er sich auf alte Kunst und Kunsthandwerk aus Schweden spezialisiert hat.

 

Château Deulin

Rue du Château | B-6990 Deulin (Hotton)

+32 (0)84 46 66 16 | info@espacedeulin.be

> mehr Infos

Samstag und Sonntag (7.-8.10.2018 und 13.-14.10.2018): 11-19 Uhr

Eintritt: 5 Euro (Kinder unter 12 Jahren frei)

Das Bistro im Turm ist während der Messe geöffnet

(*) Exkurs – Flohmarktkultur in Belgien: Bedingt durch den seit der Unabhängigkeit Kongos nachlassenden Goldimport und die Stahlkrise der 1970er Jahre, ermöglichte ab 1979 ein Erlass auch Privatleuten, Gegenstände auf Märkten zu verkaufen: Dachböden und Keller wurden entrümpelt, überflüssiger Hausrat fortan auf Flohmärkten verkauft. In Belgien ist „trödeln“ aber auch ein gesellschaftliches Ereignis, kaum ein Flohmarkt kommt ohne Bierstand und Frittenbude aus, denn schließlich muss für das leibliche Wohl auch gesorgt sein.

>>> Floh- und Antikmärkte in der Wallonie (ausgewählt von BTW)

 

 

Anmerkung: Dieser Artikel enthält Links und damit Werbung.

Der erste Besuch des Château Deulin im August 2018 wurde im Rahmen einer Pressereise ermöglicht durch Belgien-Tourismus Wallonie. Herzlichen Dank!

 

 

 

 

 

 

 

Rückblick | Brocante Temploux 2018 – Paradies für Sammler und Jäger

Glückliche Käufer …

Beim großen Brocante in Temploux findet jedes Töpfchen sein Deckelchen.

Es muss dieser letzte Rest von Urmensch in uns sein, dieser prähistorische Jagdtrieb, der auf Flohmärkten aus uns herausbricht. Die Profis sind gut ausgestattet mit Taschenlampe, Lupe, Tragetaschen und Transportwagen. Die Amateure, die impulsiv ihrer Kauflust nachgehen, müssen improvisieren – so wie bei IKEA, wenn statt der geplanten Teelichter doch eine komplette Einrichtung gekauft wird und dann die Kartons nicht in den Kleinwagen passen.

Beim Brocante Temploux, der als größter Flohmarkt Belgiens, wenn nicht ganz Europas gilt, sind überwiegend Profis am Werk, sowohl bei den Händlern als auch bei den Käufern. Mit Scannerblick werden die Stände gecheckt, sobald ein Objekt die Aufmerksamkeit erregt, wird der Blickkontakt zum Verkäufer hergestellt und um den Preis gefeilscht. Wird man handelseinig, ist logistisches Geschick gefragt. Der Parcours  ist rund 6 km lang, wenn man beide Seiten der Straße abläuft, im Zickzack ist es weniger weit, aber anstrengender, weil man ständig den Entgegenkommenden ausweichen muss.

Eine Jagdtasche aus Leder, ein paar Klompen, ein rotes Teekesselchen aus Emaille, dahinter demonstrieren alte Lehrtafeln aus der Schule das Heranreifen des Embryos in der Gebärmutter und den Zellaufbau von Speiseröhre und Zunge.  Ein paar Meter weiter ein Feuerwehrwagen von einem historischen Kinderkarussell, dazu ein paar Verkehrsschilder und Werbeschilder für Tabakwaren – Belga Zigaretten, Goldanker Zigarren, Crüwell Mekka Tabak … damals zählte ein schmissiges Design, an Schockbilder von Raucherbein und Kehlkopfkrebs hat da noch niemand gedacht, Ästhetik statt Abschreckung!

Glückliche Käufer …

Was auf keinem belgischen Flohmarkt fehlen darf: Platten von Jonny Hallyday und Devotionalien der Weltausstellung 1958 in Brüssel (Atomium!) sowie der belgischen Königsfamilie, meist in Form von bedruckten Keks- oder Kaffeedosen. Besonders schön und meist ein Stillleben für sich: die verkaufsfördernde Dekoration …

Infos:

>>> Brocante Temploux

>>> Comic-Festival Temploux

Jeden August findet in Temploux (rund 10 km nordwestlich von Namur) der größte und berühmteste Flohmarkt Belgiens mit mehr als 1.500 Ausstellern sowie das Comic-Festival statt. Der Eintritt ist frei, die Veranstaltung beginnt am Freitag und schließt am Samstagabend mit einem großen Feuerwerk um 22.30 Uhr ab.

„La Rockante“ – Brocante Temploux bei >>> Facebook

Temploux (wallon. Timplou) hat rund 1.900 Einwohner, mit dem Zusammenschluss von 25 Kommunen zu „Grand Namur“ im Jahr 1977 entstand eine neue Idee: 1978 wurde anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Sommerkirmes ein Flohmarkt organisiert. 1984 kam das Comic-Festival der „Bande dessinée“ hinzu. Bei der Organisation des jährlichesn Flohmarkts sind nahezu alle Bewohner beteiligt, viele helfen als „Benevoles“ (Ehrenamtliche) beim Auf- und Abbau, beim Ausschank, als Verkehrskadetten oder Parkwächter.

Exkurs

Flohmarktkultur in Belgien:

Bedingt durch den seit der Unabhängigkeit Kongos nachlassenden Goldimport und die Stahlkrise der 1970er Jahre, ermöglichte ab 1979 ein Erlass auch Privatleuten, Gegenstände auf Märkten zu verkaufen: Dachböden und Keller wurden entrümpelt, überflüssiger Hausrat fortan auf Flohmärkten verkauft. In Belgien ist „trödeln“ aber auch ein gesellschaftliches Ereignis, kaum ein Flohmarkt kommt ohne Bierstand und Frittenbude aus, denn schließlich muss für das leibliche Wohl auch gesorgt sein.

>>> Floh- und Antikmärkte in der Wallonie (ausgewählt von BTW)

Anmerkung

Der Besuch des Flohmarkts in Temploux wurde ermöglicht durch Belgien-Tourismus Wallonie. Herzlichen Dank!

>>> Belgien-Tourismus Wallonie

Fotos: Belinda Petri | Alle Fotos, Texte und Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliches Einverständnis dürfen die Fotos weder gespeichert, noch weitergegeben oder anderweitig verwertet werden.

Mein Fundstück beim Brocante Temploux: Eine alte Agfa-Werbeuhr

 

Rückblick | Mini Food Reading Festival

Mini food reading festival | 4.8.2018

Mini Food Reading Festival in der Rösterei Van Dyck

Essen ist gut, über Essen reden ist auch prima: Beim 1. Mini Food Reading Festival in Köln beschäftigten sich verschiedene Autor/innen mit kulinarischen Themen und ihren Erfahrungen mit exotischer Küche und heimischen Spezialitäten.

Ernst, witzig, tiefsinnig, kurzweilig und mit viel Herzblut und wissen präsentierten  Jörn Kabisch (tabldoottaz, der freitag), Julia Floß (KStA), Joerg Utecht (Utecht schreibt), Torsten Goffin (Allem Anfang, Craft Beer Kochbuch) und Johannes J. Arens (Nachschlag, Geländegang) eine Auswahl ihrer Texte an außergewöhnlichen Locations.

11.00 Uhr Bäckerei Schlechtrimen
Kalker Hauptstraße 210, Kalk

16 Zuhörer/innen sitzen im „Separée“ der zertifizierten „Slow-bakery“.
Vorne klappern die Kaffeetassen, rechts wartet das Wochenendbüfett auf Abnehmer, der Ansturm war früh, so gegen acht, jetzt ist es zu heiß für Rührei, Brötchen und Käse. Einige Besucherinnen fächern sich mit den laminierten Karten ein wenig Luft zu, aber auch die ist schon warm und bringt keine Abkühlung.
Jörn Kabisch, Joerg Utecht und Johannes J. Arens lesen Texte zu Backwerk und ihren kulinarischen Erinnerungen, zum Beispiel zu „Nussecken“ in der Eifelbäckerei.

>> Bäckerei Schlechtrimen

„Bei uns, in der Bäckerei Schlechtrimen wird noch nach traditionellen Rezepturen und handwerklichen Verfahren gebacken. Ganz bewusst verzichten wir auf Backmischungen und Zusatzstoffe und fertigen alle Backwaren mit frischen und naturbelassenen Rohstoffen in der hauseigenen Backstube. Rohstoffe, Rezepte, Verfahren und Qualitäten wurden durch das Institut für Getreideverarbeitung in Rehbrücke kontrolliert. Damit erfüllen wir seit 2006 als einer von ca. 30 zertifizierten Bäckern im deutschsprachigen Raum die „slow-baking“ Richtlinien – und damit als einzige Bäckerei in Köln.“ (Quelle: Website Schlechtrimen)

 

Exkurs: Kaffee & Tee Hogrebe

Auf dem Weg zum Parkplatz entdeckt und gleich ausprobiert: Kaffeerösterei Hans Hogrebe, Kalker Hauptstr. 166, 51103 Köln

 

13.00 Uhr Rösterei van Dyck
Schanzenstraße 36, Mülheim

Mehr als 20 Besucher/innen räkeln sich auf den beiden senffarbenen Sofas und den Holzstühlen im skandinavischen Design.
Van Dyck steht für Kaffee aus biologischem Anbau und fairem Handel, der langsam und schonend im Trommelröster geröstet wird, wie Eigentümer Martin Keß erklärt.

Joerg, Jörn, Johannes & Julia Floß lesen, eingetaucht im aromatischen Duft des frisch gerösteten und gemahlenen Kaffees: Joerg schreibt nach eingenen Angaben aus „kulinarischer Notwehr“ und erzählt in seinem Beitrag von 2015 von Flüchtlingen und ihrem Stolz, als sie endlich „weiß“ in der Gastronomie arbeiten dürfen sowie von seinen Couchsurfing-Reisen nach Apulien (2017).

Julia (Köchin, Pâtissière, Foodjournalistin) liest einen >>> im Kölner Stadtanzeiger veröffentlichten Text zu Lai de Hao, einem asiatischen Lokal, in dem jenseits von „Ente süß-sauer“ gekocht wird.

Jörn schildert seine Erlebnisse im Kindergarten mit „dem Vitaminberg“, der hinter den mit Marienkäfern und Pumukelgesichtern bemalten Fenstern rot, grün und blau schimmerte. Mit verbundenen Augen sollten Obst und Gemüse in den Mund gesteckt und erraten werden. Avocado – ein langanhaltenes Trauma für den Autor. Außerdem: Das Gehör als kulinarisch unterschätzer Sinn – Jörn erklärt, warum er kein Freund von „lauten“ Speisen ist.

Johannes erklärt das Projekt und Buch „Geländegang“ und liest aus dem Kapitel „Kartoffeln“. Gleich zu Beginn des Treffens sagt der Kartoffelbauer, dass Laura Stress gehabt habe, Laura ist aber nicht die Gattin des Bauern aus Stommeln, sie ist eine Kartoffelsorte.

>>> Kaffeerösterei Van Dyck

„Keine Kompromisse in der Qualität, keine Kompromisse im Einkauf. Wir machen den Kaffee, den wir selber gerne trinken möchten. Alle Rohkaffees, die wir rösten, stammen aus fairem Handel und biologischem Anbau.“ (Quelle: Website Van Dyck)

 

Exkurs: Mittagessen

Mevlana in der Keupstrasse: Iskender, Adana Kebab und Linsensuppe, Tee und Ayran … wenn schon Keupstraße, dann auch richtig!

 

Exkurs: Streetart in Ehrenfeld

18.00 Uhr La Vincaillerie
Leostraße 57, Ehrenfeld

Mehr als 35 Gäste probieren den frischen, spritzig-herben Apfelwein. Die Lesung wird spontan nach draußen verlegt, der Parkplatz vorm Ladenlokal zur Bühne.
Joerg, Thorsten, Johannes, Julia („Auf Souvenirjagd“), Jörn fesseln die Besucher mit ihren Texten zu den unbedingt einzuhaltenenden Warnungen zu den Schärfegraden in Bangkoks Straßenküchen und traumatischen Möhren-Erfahrungen in früher Kindheit.

> La Vincaillerie

„Menschen kommen zu mir in die Weinproben und sagen direkt: „Ich habe keine Ahnung von Wein!“ Meine Antwort:“Ich auch nicht, ich weiß aber, was mir schmeckt“ (Surk-ki Schrade, Quelle: Website La Vincaillerie)

 

20.00 Uhr Marieneck
Marienstraße 1c, Ehrenfeld

 

Das Marieneck ist laut Johannes J. Arens die „Spielwiese“ der Kölner Foodies, für den heutigen Abend wurde ein zünftiges Abendbrot vorbereitet – natürlich mit frischen Zutaten aus der Region, zum Beispiel Cocktailtomaten und Romana-Salat aus Frechen. Ein Highlight des Abends: Die Überwindung des Kindheitstraumas „Hagebuttentee“ mit einem eisgekühlten, fein säuerlichen Tee zur Erfrischung!

Zu den Texten: Johannes hört Kunden und Verkäuferinnen in einer Metzgerei in Nippes zu und schildert seine Erfahrungen, als er in Aachen über einer Bäckerei wohnte und tägliche Notizen samt der tagesaktuellen BILD-Schlagzeile sammelte. Thorsten schwadroniert sich ohne Lesebrille durch seinen Text über das Bierbrauen.
Jörn stellt Pepe, den quirligen Resteverwerterkoch von den Phillipinen im krisengeschüttelten Spanien vor, wo die Leute sich erst aus Furcht vor drohender Armut mit der Verwertung (und damit Wertschätzung) von Resten auseinandersetzen. Julia gibt einige Kolummnen zum Besten, die sie für den Kölner Stadtanzeiger verfasst hat, während Joerg die Höhen und Tiefen der Erbsensuppe erkundet.

Fazit des 1. Mini Food Reading Festivals:

Eine wunderbare Veranstaltung, die nicht nur Foodies und Hobbyköche ansprach, sondern einfach Lust auf gutes Essen und gute Produkte machte.

Eine Fortsetzung im nächsten Jahr ist vorgesehen!

*** Achtung: Dieser Beitrag enthält Werbung! ***

Aber wer sich so engagiert für gute Produkte einsetzt wie die vorgestellten Protagonisten, der sollte auch gebührend erwähnt werden.