Rückblick | TEFAF Maastricht

Atemberaubende Kunstwerke und unterhaltsame Nebenschauplätze: Die Neuregelung des Messestarts brachte der TEFAF einen deutlichen Aufwind. Über 12.000 geladene Besucher besuchten in den ersten beiden Tagen (Early Access Day und Preview Day) die internationale Kunst- und Antiquitätenmesse. Das Feedback der Aussteller und Besucher war äußerst positiv, während der ersten beiden Messetage wurden zahlreiche Verkäufe verzeichnet, zum Beispiel:

Die Galerie Tomasso Brothers Fine Art (Stand 304) verkaufte  u. a. eine monumentale Marmorgruppe zweier Löwen, die Giovanni Battista Foggini (1652- 1725) und seiner Werkstatt zugeschrieben werden, an einen europäischen Privatsammler. Die Skulpturengruppe wurde mit einem Preis von ca. 1,75 Mio. Euro offeriert. Daniel Crouch Rare Books (Stand 702), spezialisiert auf seltene kartographische Werke, verkaufte in der Sektion TEFAF Paper einen als „the greatest and finest atlas ever published“ bezeichneten Atlas von Johannes Blaeu für 730.000 Euro.

Soweit der offizielle Zwischenbericht zur TEFAF,  eine Übersicht zu weiteren (bestätigten) Verkäufen ist auf der Website publiziert.


Hier noch ein Rückblick auf die TEFAF mit meinem am 11.3.2018 im Grenzecho veröffentlichten Artikel: 

Kunstmarathon

Vom 10. bis 18. März findet The European Fine Art Fair (TEFAF) in Maastricht statt. Die renommierte Kunstmesse bietet auch in diesem Jahr wieder atemberaubende Kunstwerke, ein pralles Rahmenprogramm und unterhaltsame Nebenschauplätze.

Von Belinda Petri

Schon im Parkhaus sieht man, dass die Messe von internationalem Rang ist: Hier stehen Porsche, Bendley, Landrover, Audi, Mercedes und Mini Cooper aus fast allen europäischen Ländern, ganz zu schweigen von den zahlreichen Privatjets, die auf dem Maastricht-Aachen-Airport landen und ihren Besitzern das „Shoppen“ auf der größten und schönsten europäischen Kunst- und Antiquitätenmesse ermöglichen. Aber die TEFAF ist nicht nur ein Treffpunkt der Superreichen: Die Messe bietet in zeitlich und räumlich komprimierter Form die komplette Kunstgeschichte. Hier sind Werke aus aller Welt, aus allen Epochen und allen Gattungen vereint, zur eindringlichen Betrachtung – und zum Kauf. Nach wie vor ist die TEFAF die wichtigste Messe für Alte Meister, nirgendwo sonst findet man so viele Highlights von Brueghel über Dürer bis zu van Gogh und nach wie vor sind Museumsleute ebenso auf der Suche nach dem passenden Kunstwerk wie Privatsammler und kunstaffine Investoren.

In diesem Jahr startete die TEFAF mit einer Preview nur für geladene Gäste – ein Novum, denn bisher gab es nur eine Eröffnung für alle, gleichgültig ob König, Scheich oder Student, die Kunstmesse als demokratisches Event. In den letzten Jahren führte die stetig steigende Besucherzahl (es werden 70.000 Besucher erwartet) aber zu Unruhe und Unmut, sogar Beschädigungen an Kunstwerken, so dass Veranstalter und Aussteller nun auf Entzerrung hoffen. Und tatsächlich: Am Donnerstag, dem „Early Access Day“, ist die Messe gut besucht, aber nicht zu voll, die Stimmung ist entspannt und die Händler widmen sich mit vollem Elan den Interessenten. Am Abend sind bereits verschiedene Werke mit roten Punkten als verkauft gekennzeichnet.

Die Highlights

Eigentlich ist es fast unmöglich, bei der Anzahl von hochkarätigen Kunstwerken einzelne Highlights herauszupicken, an jedem Stand gibt es Wunderbares zu entdecken. In der Vorankündigung wurden besonders hervorgehoben: Die Mandala-Schüssel (Adrian Sassoon, Stand 269) – eine zarte Skulptur aus rund vier Kilometer 18-karätigem Golddraht gefertigt, deren aussergewöhnliche Fertigung der Künstler, Goldschmied Giovanni Corvaja, selbst erläutert. In der Sektion „Ancient Art/Alte Kunst“ präsentiert die Galerie Chenel (Stand 431) einen Serapis-Kopf aus dem 2. Jahrhundert, während in der Gemäldeabteilung Adam Williams (Stand 454) mit „Hermes at Calypso’s table“ eines der „besten auf den Markt gekommenen Werke“ von Jacob Joerdaens (1593-1678) zeigt. Im Bereich La Haute Joaillerie feiert Hemmerle (Stand 141) das 125. Unternehmensjubiläum mit neuen Arbeiten, die Hemmerles Erbe als Medailleur würdigen – zehn einmalige Medaillen wurden exklusiv mit alten Prägestempeln hergestellt.

Wer sich durch die Abteilung flaniert und sich treiben lässt, wird überall wertvolle, aussergewöhnliche, bedeutsame, ästhetische, bisweilen auch skurrile bis kitschige Kunstwerke entdecken. Hier einige meiner persönlichen Highlights: Georg Laue (Stand 204) zeigt faszinierende Arbeiten aus Kunst- und Wunderkammern, z. B. ein Bernsteinschachspiel um 1700 aus Danzig oder Kerzenleuchter um 1600 aus feinst bearbeiteten Knochen. Die ausgestellten „Memento Mori“ aus dem 16. und 17. Jahrhundert, kleine fein geschnitzte Totenköpfe und Vanitasmotive aus Bein oder Holz, die an die menschliche Sterblichkeit erinnern, stehen in krassem Kontrast zum Jugendkult mancher Besucher, die mit juvenil-exaltierter Kleidung und starren gebotoxten Gesichtern an den Vitrinen vorbeigehen.

Sydney L. Moss (Stand 268) zeigt erlesene japanische Netsuke, Masken und Papierbilder, während Gregg Baker Asian Art (Stand 260) japanische Paravents und Lackarbeiten von Nabu Yoshidide von einer passend gekleideten Dame im Kimono präsentieren lässt. Überhaupt: Was tragen Kunsthändler und Sammler von Welt? Bei den Herren gehören senffarbene Hosen und extrem eng geschnittene Anzüge, gerne kariert, zum Businessoutfit, bei den Damen fallen weit ausgestellte Glockenröcke, schrille Muster und gewagte Materialmixe ebenso ins Auge wie die Roxy Music-artigen Outfits der weiblichen Servicekräften. Faustregel: Je moderner und abstrakter die Kunst, desto abstrakter die Garderobe!

Zurück zur Kunst: Die 12 Holzschnite des „Vater unser“ von Max Pechstein aus dem Jahr 1921 bei der Galerie Henze und Ketterer (Stand 444) sind ebenso sehenswert wie die Zeichnungen von Emil Nolde, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner oder die Jugendstilmöbel von Sir Pierre David aus Stavelot bei Oscar Graf (Stand 603) oder die „Animalia“-Schau bei der Galerie Patrice Trigano (Stand 530), Kunst mit Humor und Augenzwinkern.

Als die Welt ein Löwe war

In der Sektion „Works on paper“ im Obergeschoss lässt sich bei Daniel Crouch Rare Books (Stand 702) die Absurdität unserer Zeit ablesen: Die Frühe Neuzeit war geprägt vom Entdeckungsgeist der Menschen und ihrem naturwissenschaftlichen Verlangen nach der Vermessung und Kartographie der Welt, die sich im Kartenwerken wie dem „Leo Belgicus“ oder „The Dutch Lion“ aus dem 17. Jahrhundert sowie den frühen Globen und Sphären zeigt, erscheinen das aktuelle Territorialgerangel und die Fake News, die die Welt am liebsten wieder als Scheibe sehen möchten, auf einmal ganz anachronistisch und rückwärtsgewandt. Kurios, dass offenbar die Vergangenheit moderner war…

TEFAF

10.3.-18.3.2018 | 10-19 Uhr (18.3.2018: 10-18 Uhr)

MECC

Forum 100

NL-Maastricht

http://www.tefaf.com

Eintritt: 40 Euro

Parken: 13 Euro

Katalog: 20 Euro

Rahmenprogramm und Infos zu Maastricht:

http://www.visitmaastricht.com

 

 

 

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Alltagsgeschichten #16

Neulich im Kiez. Kurz vor 23 Uhr. Letzte Gassi-Runde mit dem Tier.

Der Möpp schnuppert und grunzt vor sich hin, die Schritte werden schneller, das Grunzen lauter. Endlich ist der perfekte Platz gefunden und das Tier hockt sich mit gebeugtem Rücken um zu kacken.

Frauchen zückt das schwarze „hoendenpoepsakje“, als plötzlich eine Pfadfindergruppe um die Ecke biegt und –  begleitet von Gitarre und Bongo – inbrünstig singt:

„Auf dem Donnerbalken saßen zwei Gestalten
und sie schrien nach Klopapier, Klopapier.

Und dann kam der zweite, der sich zu ihm reihte
und sie schrien nach Klopapier, Klopapier

Und da kam der Dritte, setzt sich in die Mitte
und sie schrien nach Klopapier, Klopapier…“

Selbst als die sonderbare Gruppe hinter der nächsten Ecke verschwunden ist und der Hundehaufen ordentlich verpackt in den Abfalleimer geworfen wurde, hört man den Refrain noch zwischen den Häusern schallen „Klopapier, Klopapier!“

Es gibt Geschichten, die kann man einfach nicht erfinden…

Liedtext „Auf dem Donnerbalken“ (Klopapier)

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